Im September 2016 bin ich aus der Düsseldorfer Vorstadt mitten nach Hamburg zu meinem Freund gezogen; im Januar 2017 sind wir einen Stadtteil weiter die gemeinsame, große Wohnung umgesiedelt. Landmenschen werden es mir nicht glauben, aber ich werde hier, in der 2 Mio. Einwohnerstadt Hamburg, jeden Morgen vom Zwitschern der Vögel geweckt. Wir haben hier wirklich wahnsinniges Glück, leben mitten in der Stadt in unserer eigenen, kleinen Naturoase. Direkt am Park inklusive Flüsschen gelegen, teilen wir uns den riesigen Gemeinschaftsgarten mit vier weiteren Familien, der Blick aus dem Fenster zeigt erst mal nichts als Bäume, weiter entfernt ein paar Häuser, Jogger und Radfahrer, die durch das von uns einsehbare Stückchen des Parks joggen und gefühlt: Natur. Wir haben damals, als wir im Winter 2016 diese Wohnung im Dunklen besichtigten, nicht mal über diesen Aspekt nachgedacht. Anderthalb Jahre und zumindest mal einen Sommer später könnten wir nicht glücklicher über dieses kleine, ruhigere Fleckchen Natur mitten in der Stadt sein – obwohl wir trotzdem nur fünf Minuten von der Alster und zehn Minuten zur Innenstadt entfernt leben.

Flora und Fauna – direkt vor der Tür

Ich musste wirklich grinsen, als ich die Anfrage für die Buchreview zum neuen, illustrierten Roman Federnlesen von der Journalistin und Vogelkundlerin Johanna Rombach, bekommen habe – so passend, wie sie mir gerade erscheint. Das Beste und Lustigste an unserem Wohnort ist das überraschend große, tierische Aufgebot in unserem Garten. Kein Witz: mehrfach die Woche findet man meinen Freund, mich oder in Hochphasen uns beide gemeinsam vor den Wohnzimmerfenstern mit Blick in den Garten – weil sich das Kaninchen mit dem weißen Punkt auf dem Kopf mal wieder auf der Erhöhung im Garten sonnt. Sich zwei weitere etwas weiter hinten bei den Bäumen jagen und wilde Haken über die gesamte Fläche schlagen. Das dicke Eichhörnchen mal wieder Nachbars’ Meisenknödel zerrupft und erbeutet hat, während das weitaus Schlankere dafür über die herabhängenden Zweige den Weg auf unseren Balkon gefunden hat und nun neugierig direkt vor unserer Terrassentür sitzt, um sich anschließend an unseren Vogelkörnern zu bedienen. Wenn uns unsere Gäste aufgeregt von ihren Tierentdeckungen im Garten berichten, können wir nur schmunzeln. Alles schon gesehen, Tag für Tag. Aber: wir können es ihnen nicht verübeln – viel zu niedlich und tatsächlich unüblich, so mitten in der Stadt.

Doch natürlich finden nicht nur Säugetiere den Weg in unseren Garten oder auf unseren Balkon, sondern auch besagte Singvögel, die uns morgens wecken und bereits fleißig in den Bäumen nisten. Wie oft schon haben wir ein Spiel daraus gemacht, die verschiedenen Arten zu benennen – ob Blaumeise, Kohlmeise, Rotkehlchen, Elster oder Spatz – um dann festzustellen, dass man bei einigen Vögeln doch an seine Grenzen stößt.

Stadtmensch oder Landei?

Ich frage mich immer wieder, ob ich ein Stadtmensch oder ‘Landei’ bin. Letzterer Begriff ist etwas hoch gegriffen, denn bin ich natürlich nicht im urigsten, bayerischen 1000-Seelen-Dorf aufgewachsen, sondern mitten in NRW in Düsseldorf und der 5km entfernten, Düsseldorfer Vorstadt. Könnte man sagen: Stadtmensch, durch und durch. Und ja, am Ende tendiere ich auch wahrscheinlich dazu. Trotzdem kann ich es mir beispielsweise nicht vorstellen, später mit Kindern mitten in Hamburg zu leben. Aus der Haustür treten und in 20m Entfernung Supermärkte, Banken, Bäckereien, Buchläden und Apotheken direkt vor der Nase zu haben ist super entspannt und angenehm – aber auf lange Sicht dann doch nicht meins, wenn es um das Aufwachsen meiner Kinder gehen würde. Für die nächsten X Jahre? Ja bitte. Danach möchte ich dasselbe, was ich als Kind erfahren durfte.

Ich bin in Düsseldorf geboren und habe die ersten fünf, sechs Jahre mitten in der Stadt gelebt. Zwar im Haus mit Garten und nur kurzem Weg zum größten, städtischen See mit Waldgebiet – aber trotzdem in der Stadt. Zur Einschulung sind wir ein paar Kilometer aus der Stadt raus in die nächste Vorstadt und in ein Haus direkt am Naturschutzgebiet am Rande unserer Kleinstadt gezogen. Ich habe als Kind wahnsinnig viel Zeit draußen verbracht, dort mit meinen Freundinnen freie Spiele gespielt, bin herumgestromert und habe die Umgebung erkundet. Ich konnte mich immer sicher fühlen in unserer Nachbarschaft und meine Eltern hatten nicht nur ein gutes Gefühl dabei, mir da ab einem gewissen Alter freien Lauf zu lassen. Auch haben sie Wert darauf gelegt, dass ich mich bestmöglich auskenne. Tiere und ihre Gattungen voneinander differenzieren, Bäume, Büsche, Pflanzen und Pilze erkenne und auseinanderhalten kann. Vögel erkenne, wenn sie mir nah begegnen.

Achtsamkeit & Bewusstsein für die Natur

Meine Freundin studiert Grundschullehramt und hat im Rahmen ihres Staatsexamens zwei Praktika gemacht – eines in der Stadt, eines auf dem Land – während welchen sie auch Ausflüge in die Natur mit den Schulkindern gemacht hat. Laut ihrer Aussage war es sehr verblüffend, wie viel die 6-7 Jährigen über verschiedene Pflanzen und Tiere wussten – und welch große Unterschiede zu den Kindern aus der Stadt herrschten.

Ich bin absolut kein Experte und würde mein Wissen im Bereich Flora und Fauna als durchschnittlich bezeichnen. Allerdings finde ich es total wichtig, dass auch ‘Stadtkinder’ wie ich es eigentlich bin, sich einigermaßen in der Natur zurechtfinden. Nicht nur den U-Bahn-Plan der ganzen Stadt kennen und wissen, wie sie von A nach B gelangen (was natürlich auch wichtig ist!), sondern auch eine Meise von einem Rotkehlchen oder einer Amsel unterscheiden können. Man sich nicht nur im wilden Straßenverkehr bereits als Kind mit dem Fahrrad zurechtfindet, sondern auch weiß, dass man Bucheckern sammeln und essen kann und wie überhaupt die zugehörigen Bäume der Nüsse, die wir im Geschäft kaufen, ausschauen. Dass nicht nur der rote, auffällige Fliegenpilz hochgiftig ist und Liebstöckel nach ‘Maggi’ riecht. Das möchte ich unbedingt an meine Kinder weitergeben – und das ist, meiner Meinung nach (!), im Alltag eher in der Vorstadt möglich, als Mitten in der Stadt. Für mich wäre es der perfekte Kompromiss, denn ganz aufs Land ziehen möchte ich persönlich, als Düsseldorferin und Wahl-Hamburgerin, dann doch nicht.

‘Federnlesen’ – von Johanna Romberg

Das Buch Federnlesen von Johanna Romberg beschäftigt sich mit genau diesem Thema. Man kann nicht von jetzt auf gleich das Wissen aufbauen, nachholen, was andere schon in ihrer Kindheit erlebt und in sich aufgesogen haben. Vielleicht ist es ein guter Anfang, sich nicht nur regelmäßig in der Natur zu bewegen, sich aktiv mit dem, was einen umgibt zu beschäftigen – sondern auch zu liebevoller, interessanter, lehrreicher und eben nicht trockener ‘Fach’-Literatur zu greifen.

Federnlesen handelt von der Magie des Beobachtens. Die Rückseite des Buches schreibt: “Ein tiefsinniges, wissensreiches und inspirierendes Buch über die Liebe zur Natur – und davon, was diese Liebe mit uns macht.” Speziell handelt es natürlich von: Federn. Davon, die heimischen Vögel bei uns in Deutschland (von denen wir übrigens 300 verschiedene in unserem Land haben!) zu beobachten, auseinanderhalten und definieren zu können, sie am Gewand, am Gezwitscher und ihren Eigenheiten auseinanderhalten zu können. Das Buch ist wirklich sehr liebevoll geschrieben; ich habe bereits in zwei Kapitel reingelesen und das Schönste ist, dass die Autorin über das Jahr hinweg, über welches sie Informationen und Geschichten für das Buch gesammelt hat, auch persönliche Stories und Anekdoten rund um die Vögel und die jeweiligen Situationen teilt. Es fühlt sich an, als wäre man dabei gewesen – und man hat richtig Lust, selbst auf Erkundung zu gehen, auch wenn man vorher keine Vorliebe für das Thema hatte. Gespickt ist das Buch übrigens mit super schönen, detaillierten Illustrationen, welche das Erlebnis noch anfassbarer machen und eine größere Vorstellung davon geben, wie die beschriebenen Vögel aussehen.

Wir alle sollten uns – und da nehme ich mich selbst in keiner Weise aus! – viel weniger mit dem Smartphone, mit Social Media und dem ganzen Drumherum beschäftigen – und stattdessen einmal genauer hingucken, was uns umgibt. Uns in Achtsamkeit üben, die Natur mit seiner wunderbaren Tier- und Pflanzenwelt bewusster wahrnehmen und am Ende des Tages vielleicht mit der ein- oder anderen Erkenntnis nachhause gehen. Gerade die Vogelkunde ist ein Bereich, der wahrscheinlich (denn ich habe selbst am Ende zu wenig Ahnung davon – noch!) viel zu unterschätzt wird. Etwas, was sich augenscheinlich vielleicht nicht mit sozialen Medien und Internetkonsum vereinbaren lässt. Ist es aber doch – indem wir uns Federnlesen schnappen, in den nächsten Wald oder – wie in meinem Fall – einfach auf die heimische Terrasse setzen, uns aktiv Zeit für die Natur einräumen – und am Ende vielleicht sogar stolz das ein oder andere Foto des neu erkannten Singvogels posten.

Gewinnspiel – 1x Federnlesen zum selbst entdecken

Gemeinsam mit dem Verlag Bastei Lübbe habe ich noch ein kleines Goodie für euch – denn einer von euch kann selbst ein Exemplar des Buches Federnlesen von Johanna Romberg gewinnen! Ich kann es euch – ob ihr nun gewinnt oder nicht – nur ans Herz legen, euch einmal selbst mit dem wirklich inspirierenden Buch auseinanderzusetzen. Umso besser, dass ich die Möglichkeit habe, direkt einem von euch eine Freude damit zu bereiten.

Schaut mal auf meinem Instagram-Kanal beim Federnlesen-Posting vorbei – wie ihr teilnehmen könnt findet ihr in der Bildbeschreibungl! Das Gewinnspiel endet heute in einer Woche, am 17. April. Good Luck! 🍀

Weitere Bücherbeiträge und Reviews findet ihr übrigens in meiner neuen Kategorie ‘Books’!

// In Zusammenarbeit mit Bastei Lübbe

10 Kommentare

  1. Paula
    14. April 2018 / 17:41

    Ein ganz toller, wahrer Beitarg Vivien :) ich bin selbst so ein Zwischending wie du, bin in der Vorstadt aufgewachsen und habe beispielsweise als Kind nur draußen gespielt. Als Teenie fand ichs manchmal nervi, dass man immer in die Stadt fahren musste zum Feiern gehen, statt einfach mit dem Bus 3 Stationen zurückzulegen und da zu sein. Aber ich würde es mit Kindern ganz genau so machen! :D

    • Vivien
      Autor
      17. April 2018 / 13:24

      Lieben Dank Paula! :) Jaa, tatsächlich ging es mir auch so – ich bin zwar direkt an Düsseldorf am Stadtrand aufgewachsen, in die Innenstadt waren es jedoch trotzdem 12 Minuten mit der Bahn oder 15-20 mit dem Bus. Gerade nachts war das dann ein Problem, wenn man heim wollte :D

  2. Menni
    15. April 2018 / 8:38

    Hab schon mitgemacht, das Buch klingt super interessant <3

    • Vivien
      Autor
      17. April 2018 / 13:23

      Ist es auch wirklich!! :)

  3. Selina
    16. April 2018 / 19:18

    Ganz tolle Fotos und wahre Worte! Ich bin ein echtes Landei und würde um nichts in der Welt tauschen wollen. Für mich wäre es ein Graus in der Stadt zu wohnen, ich bin schon überfordert, wenn ich ein paar Tage auf Urlaub in Berlin oder bei euch in Hamburg bin – gerne für kurz, aber nicht zum wohnen :D

    Wünsche dir ne schöne, sonnige Woche
    Alles Liebe, Selina

    • Vivien
      Autor
      17. April 2018 / 13:23

      Danke dir, Selina :) Das glaube ich – ich schätze, dass man immer ein wenig das präferiert, was man selbst kennt. Wobei mein Freund eher auf dem Land aufgewachsen ist (was er als Kind auch toll fand), jedoch ab der Jugend immmmer in die Stadt wollte – und auch niemals mehr auf dem Land oder gar in einer zu ruhigen Vorstadt wohnen wollen würde :) Ich denke, bei uns würde es am Ende der Stadtrand werden, wenn man sich mal für Kinder oder ein Eigenheim entscheiden sollte :)

  4. Karo
    17. April 2018 / 9:03

    Tolle Fotos, mir gefällt das mit dem Rahmen! <3

    • Vivien
      Autor
      17. April 2018 / 13:22

      Freut mich, Karo :) Finde auch, dass die Fotos sehr schön geworden sind!

  5. 29. April 2018 / 15:39

    Hey! Ich wollte dir sagen, dass deine Bilder echt super aussehen!
    Es gefällt mir deine Seite anzuschauen.

    • Vivien
      Autor
      29. April 2018 / 20:42

      Das freut mich sehr! :)

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